Muskelaufbau-Mythen im Faktencheck, Teil 1
Welche Mythen halten sich im modernen Bodybuilding hartnäckig?
Modernes Bodybuilding ist, wie jeder andere Sport auch, von weit verbreiteten Falschinformationen oder “Mythen” durchzogen, die einen angehenden Athleten schnell davon abhalten können, seinen Traum vom muskulösen Körper zu verfolgen.
Wenn du gerade erst anfängst oder darüber nachdenkst, in die Welt des Amateur- oder Profi-Bodybuildings einzusteigen, solltest du dich gegen diese Mythen wappnen. Nur so kannst du dich auf das konzentrieren, was wirklich zählt: deinen Körper zu formen, Kraft aufzubauen und deine Gesamtleistung zu verbessern.
Die erste Runde Mythen im Faktencheck
Mythos 1: “Wenn du mit dem Training aufhörst, verwandeln sich deine Muskeln in Fett”
Zunächst einmal: Muskelgewebe und Fettgewebe sind zwei völlig verschiedene Dinge. Fett und Muskeln stehen zwar in einer besonderen Beziehung zueinander, denn Fett kann dem Körper Energie für den Muskelaufbau liefern. Aber zu behaupten, dass Muskeln irgendwann “zurück zu Fett verschmelzen”, ist schlicht falsch.
Dieser Mythos stammt vermutlich von Kritikern, die das bekannte Fitness-Mantra “Verwandle dein Fett in harte Muskeln” wörtlich genommen haben. Natürlich wissen wir alle, dass das reine Marketingsprache ist. Wer solche Sätze in Magazine oder auf Websites schreibt, will Menschen nur dazu bringen, Supplements zu kaufen oder sich für ein neues Abnehmprogramm anzumelden. Das sollte niemand wörtlich nehmen!
Wer dieses Mantra ernst nimmt, müsste im Umkehrschluss auch glauben: “Verwandle deine harten Muskeln in Fett!” Klingt absurd? Ist es auch.
Jetzt höre ich einige von euch schon sagen: “Ich kenne aber jemanden, der eine Weile ins Gym gegangen ist und dann aufgehört hat. Heute ist er dick.” Ja, das kommt vor, aber nicht, weil sich Muskeln in Fett verwandeln, sondern weil diese Menschen täglich weniger Kalorien verbrennen, als sie zu sich nehmen. Die Grundrechnung hinter Kalorien ist simpel: Wenn du 5.000 Kalorien am Tag isst und nur 1.500 Kalorien verbrennst, bleiben 3.500 Kalorien übrig.
Verbrennst du diese überschüssigen Kalorien nicht, speichert der Körper die Energie als Fett. Er versucht zwar, das Fett möglichst gleichmäßig zu verteilen, aber meistens landet ein großer Teil davon in der Körpermitte.
Mythos 2: “Vom Gewichtheben wirst du sofort ein Muskelberg”
Muskelmasse wie ein Profi-Bodybuilder aufzubauen erfordert enormen Einsatz. Manche Menschen sind von Natur aus groß und kräftig gebaut, was ein Vorteil ist, wenn man den komplett natürlichen Weg gehen will. Aber für 99,99 Prozent der Wettkampf-Bodybuilder gilt das schlicht nicht; belassen wir es dabei!
Wenn du mit dem Krafttraining anfangen willst, weil du stark und definiert werden möchtest, dann leg unbedingt los. Mit einer vernünftigen Ernährung und einem zertifizierten Trainer an deiner Seite wirst du höchstwahrscheinlich genau da landen, wo du hinwolltest: schlank und stark.
Ein weiterer “Muskelpaket-Mythos” besagt, dass du dich nach dem Aufbau von viel fettfreier Muskelmasse nicht mehr richtig bücken kannst, um alltägliche Aufgaben zu erledigen. Manche witzeln sogar, ein Bodybuilder könne zwar rund 135 kg heben, sich aber nicht mehr am Rücken kratzen.
Auch an diesen Mythen ist nichts dran. Eine der großen Stärken des Bodybuildings ist die Entwicklung enormer Beweglichkeit. Schau dir Profi-Bodybuilder beim Aufwärmen an: Du wirst staunen, wie mühelos sich ein Muskelkoloss in der Hüfte nach vorne beugen und dehnen kann wie ein professioneller Yogalehrer.
Vor schlecht ausgeführten Workouts müssen wir dich allerdings warnen. Wenn du wiederholende Bewegungen nicht sauber ausführst, kannst du deine Muskeln schädigen oder deine Beweglichkeit ernsthaft einschränken. Passiert das, weil dir eine ordentliche Anleitung fehlte oder du unbedingt alles “auf deine Art” machen wolltest, liegt der Fehler allein in der Ausführung der Übungen. Für die vermeidbaren Fehler einzelner Sportler können wir unmöglich das Gewichtheben oder den Bodybuilding-Sport an sich verantwortlich machen.
Mythos 3: “Du wirst zwar riesig, aber dabei richtig schwach”
Seit vielen Jahren kursiert der schädliche Mythos, dass Wettkampf-Bodybuilder in den Wochen vor einem großen Wettkampf “am schwächsten” seien.
Das könnte daran liegen, dass Profi-Bodybuilder vor Wettkämpfen strenge Definitionsphasen durchziehen, um die ideale Form zu erreichen, und das kann einen Menschen körperlich tatsächlich auslaugen.
Betrachtet man die Situation aber logisch, kommt die Erschöpfung von zu viel Anstrengung und nicht daher, dass diese Menschen Bodybuilder sind. Manche werden etwas schwächer, weil sie zu hart trainieren - dafür sollte man sie sicher nicht kritisieren.
Außerdem ist es unter Profi-Bodybuildern absolut üblich, eine halbe Tonne auf der Bank zu drücken. Ronnie Coleman curlt in seinen “Aufwärmsätzen” locker Kurzhanteln von über 90 kg!